Badem. Die Ernte 2026 fällt in Rheinland-Pfalz insgesamt besser aus, als es die ungewöhnlich trockene und heiße Witterung zunächst erwarten ließ. Vor allem Wintergerste, Winterweizen und Raps liefern vielerorts gute bis überdurchschnittliche Erträge und ordentliche Qualitäten. Gleichzeitig geraten die Betriebe wirtschaftlich unter Druck: Niedrige Erzeugerpreise stehen deutlich gestiegenen Kosten für Treibstoff, Dünger und Arbeit gegenüber. Das machten in der ersten gemeinsamen Erntepressekonferenz der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Marco Weber, und der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt, beim Landhandelsunternehmen Raiffeisen Rhein-Ahr-Eifel in Badem deutlich.
Das Frühjahr war mit durchschnittlich 10,8 Grad rund 2,7 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Seit Februar blieb der Niederschlag in jedem Monat unter dem Durchschnitt. Im Frühjahr fielen nur rund 124 Liter je Quadratmeter statt der üblichen 191 Liter. Das setzte sich bis zur Ernte fort, sodass Hitze und Trockenheit die Abreife beschleunigten und die Getreideernte bereits um die Monatswende Juni/Juli begann. Die trockene Witterung führte außerdem zu einer außergewöhnlich kompakten Ernte. Früh- und Spätdruschgebiete waren vielerorts nahezu gleichzeitig erntereif. Das erschwerte regional die Erfassung durch den Landhandel und führte zusammen mit den niedrigen Erzeugerpreisen teilweise zu Hoflagerungen.
Besonders erfreulich zeigt sich die Wintergerste. Sie konnte von der Winterfeuchte profitieren und reifte unter den trockenen Bedingungen zügig ab. Ertrag und Qualität liegen über dem Durchschnitt. Bei leistungsfähigen Hybridsorten sind bis zu zehn Tonnen je Hektar möglich. Dem guten Naturalertrag stehen jedoch schwache Preise gegenüber. Betriebe mit früh abgeschlossenen Vorkontrakten können teilweise bis zu 175 Euro erzielen. Belastend wirken die rückläufige Nachfrage nach Futtergerste, volle Lager und anhaltende Importe. Top aktuell steigen die Preise aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzung am Schwarzen Meer und der Beschädigung von Hafenanlagen.
Schwieriger ist die Lage bei der Sommerbraugerste. Viele Bestände sind dünn und konnten Hitze und Trockenheit nicht ausgleichen. Vor allem in den Höhenlagen bleiben die Vollkornanteile häufig zu niedrig. Bessere Ergebnisse werden an der Nahe sowie in Rheinhessen und der Pfalz erwartet. Früh gesäte Bestände und die im Herbst ausgesäte sogenannte „Martinsgerste“ profitierten von der Winterfeuchte. Regional sind Erträge um sechs Tonnen je Hektar möglich. Mit rund 175 Euro je Tonne bleibt der Preis dennoch schwach; volle Lager bei den Mälzereien schränken die Vermarktung ein.
Beim Winterweizen, mit rund 106.000 Hektar die wichtigste Marktfrucht des Landes, fällt die Bilanz überwiegend positiv aus. Je nach Region werden sieben bis zehn Tonnen je Hektar erwartet. Auf leichteren Böden hat die Frühjahrstrockenheit die Bildung von weiteren Trieben geschwächt, vielerorts stimmen Ertrag und Qualität dennoch. Regional führte die Hitze während der Kornfüllungsphase jedoch zu einer verkürzten Kornfüllung und niedrigeren Tausendkorngewichten. Die Eiweißgehalte liegen meist um zwölf Prozent, die Hektolitergewichte vielfach über 80 Kilogramm. Wirtschaftlich bleibt die Situation angespannt: Qualitätsweizen erzielt aktuell etwa nur 190 Euro je Tonne, Backweizen rund 180 Euro.
Roggen und Triticale bleiben wirtschaftlich schwierig. Roggen wird bei Preisen um 150 Euro je Tonne zunehmend zum Nischenprodukt. Triticale erzielt zwar durchschnittliche Erträge, wird aber nur auf Futtergerstenniveau bezahlt und deshalb verstärkt als Ganzpflanzensilage oder für Biogasanlagen genutzt.
Sehr erfreulich entwickelt sich der Raps. Die Anbaufläche ist um sieben Prozent auf rund 46.000 Hektar gestiegen. Die trockene Witterung hielt Unkräuter, Pilzkrankheiten und Schädlinge weitgehend zurück. Auf frühen Standorten sind vier Tonnen je Hektar keine Seltenheit, auch die Ölgehalte von 42 bis 45 Prozent überzeugen. Aktuell steigen die Preise auf über 500 Euro je Tonne. Weber warb deshalb für stärkere Vermarktungspartnerschaften zwischen Landwirten und Handel.
Sorge bereitet dagegen der Mais. Seine Entwicklung ist regional extrem unterschiedlich. In Teilen der Eifel, des Westerwaldes und der Südpfalz profitierten die Bestände zunächst von Gewitterschauern. Auf leichten Böden am Oberrhein, in der Vorderpfalz und in Rheinhessen zeigen sich dagegen deutliche Trockenschäden. Hohe Temperaturen und Wassermangel begrenzen zunehmend das Ertragspotenzial. Zwischen guten und stark gestressten Beständen liegen teilweise nur wenige Kilometer. Entscheidend sind nun zeitnahe Niederschläge. Bleiben diese aus, drohen beim Silomais erhebliche Ertrags- und Qualitätseinbußen für die Futterversorgung der Viehbetriebe. Gleichzeitig könnten geringere Körnermaiserträge die Verfügbarkeit heimischer Futtermittel weiter einschränken.
Auch Kartoffeln leiden unter der Hitze. Auf bewässerbaren Flächen waren die Bedingungen zuletzt günstig, nicht bewässerte Bestände zeigen teils deutliche Einbußen. Bei Frühkartoffeln werden überwiegend 25 bis 35 Tonnen je Hektar erreicht, trockengeschädigte Flächen bleiben deutlich darunter. Regional verschärft zudem starker Drahtwurmbefall die Situation, wodurch ein Teil der Ernte nicht mehr vermarktungsfähig ist. Die Preise sind seit Mitte Juni von mehr als 500 auf rund 430 Euro je Tonne gefallen.
Beim Dauergrünland brachte der frühe erste Silageschnitt vielerorts gute Mengen und Qualitäten. Mehr als 50 Dezitonnen Trockenmasse je Hektar waren keine Seltenheit. Auch der zweite Schnitt fiel regional noch ordentlich aus, während flachgründige Böden schwächer abschnitten. Die anhaltende Trockenheit führte jedoch zu deutlichen regionalen Unterschieden: Während in einigen Regionen ein dritter Schnitt noch möglich war, blieb er insbesondere im Süden des Landes aufgrund ausgetrockneter Bestände vielfach aus.
Im Weinbau sind die Reben weit entwickelt, der Gesundheitszustand der Trauben ist bislang gut. Ein früher Lesebeginn Anfang bis Mitte September zeichnet sich ab. In jungen Anlagen und flachgründigen Steillagen nehmen jedoch die Trockenstress-Symptome zu. Bleibt der Regen aus, könnten Menge und Qualität leiden. Hinzu kommt eine schwierige Marktlage mit häufig nicht kostendeckenden Fassweinpreisen. Besonders gefährdet ist nach Einschätzung des BWV die arbeitsintensive Steillagen-Weinkulturlandschaft.
Im Obstbau ergibt sich ein gemischtes Bild. Bei Äpfeln wird eine mittlere Ernte erwartet, allerdings verursachen Sonnenbrandschäden Ausfälle und zusätzliche Sortierarbeit. Süßkirschen brachten gute Erträge, litten jedoch unter Importdruck. Zwetschen präsentieren sich bislang gut, könnten bei anhaltender Trockenheit jedoch Früchte abwerfen. Erdbeeren erzielten im geschützten Anbau überwiegend gute Ergebnisse, während Freilandbestände durch Pilzkrankheiten und Sonnenbrand beeinträchtigt wurden.
Für Weber und Hartelt zeigt die Ernte 2026 damit ein vielfältiges Bild: Auf vielen Flächen stimmen Erträge und Qualitäten, doch die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. „Gute Ernten allein sichern noch kein Einkommen“, betonten die Präsidenten beider Verbände. Stark gestiegene Betriebsmittel- und Lohnkosten träfen auf Erzeugerpreise, die teilweise auf dem Niveau von 2020 lägen. Notwendig seien faire Wettbewerbsbedingungen, verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine stärkere Marktposition der heimischen Betriebe.

Erntepressekonferenz in Badem (v.l.n.r.): Präsident des BWV Rheinland-Pfalz Süd ÖR Eberhard Hartelt und Präsident des BWV Rheinland-Nassau Marco Weber

