(Landwirtschaftliches Wochenblatt, Ausgabe 28/2026)
Vier Jahrzehnte grenzüberschreitende Zusammenarbeit standen am vergangenen Samstag im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier des Bauern- und Winzerverbands (BWV) Rheinland-Pfalz Süd und der Fédération Départementale des Syndicats d’Exploitants Agricoles (FDSEA) du Bas-Rhin. Als Redner nahmen der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP), Joseph Daul, und der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, an der Feier teil.
Seit 40 Jahren verbindet den BWV und die FDSEA eine enge Partnerschaft, die den fachlichen Austausch ebenso fördert wie die persönlichen Kontakte zwischen Winzern und Landwirten auf beiden Seiten der Grenze. Das Jubiläum bot Gelegenheit, auf die gemeinsame Geschichte zurückzublicken, langjähriges Engagement zu würdigen und die Bedeutung der Partnerschaft für die Zukunft der Landwirtschaft und der gesamten Gesellschaft hervorzuheben.
Die Kulisse für das Treffen war das Deutsche Weintor in Schweigen-Rechtenbach in unmittelbarer Nähe zur französischen Grenze. Eine Grenze, die heute kaum noch eine Bedeutung hat. Das war allerdings in der wechselhaften gemeinsamen Geschichte Frankreichs und Deutschlands nicht immer so. Umso bedeutender ist die Botschaft, die von diesem Jubiläumstreffen ausgeht: Gemeinsam stark.
Wie damals alles angefangen hat
Das erste Treffen fand an einem Sonntag im Mai 1986 in Hoffen, Soultz-sous-Forêts, statt. Die Verantwortlichen für die Organisation waren damals auf deutscher Seite Fritz Steegmüller, August Schowalter und Stefan Hilz für den Bauernverband Südpfalz sowie Karl Reis.
Auf französischer Seite waren Frédéric Braun, damals Vorsitzender der FDSEA Soultz, Paul Schiellein, Georges Rott und die FDSEA-Frauenbeauftragte Marlène Lang maßgeblich für das Treffen verantwortlich. Die einzigen noch lebenden Gründungsmitglieder sind Schiellein und Steegmüller, die selbstverständlich anwesend waren.
Seit 1986 findet die Zusammenkunft immer jährlich und im Wechsel zwischen Frankreich und Deutschland statt. Das Ziel war damals wie heute der Austausch, auch über landwirtschaftliche Themen. Wie der Präsident des Weinbauverbands Pfalz und Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz (LWK RLP), Reinhold Hörner, in seiner Begrüßung betonte, waren für ihn alle Treffen sehr wichtig.
Er habe bei den Besuchen im Elsass immer viel gelernt. Es war ihm ein besonderes Anliegen darauf hinzuweisen, dass die Zeit der Corona-Pandemie teilweise zu Spannungen und Anfeindungen zwischen Deutschen und Franzosen geführt habe. „So etwas darf niemals wieder passieren“, so sein Appell.
Laut Didier Braun, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Elsass, sind die Probleme und Herausforderungen im Elsass und der Pfalz teilweise ähnlich oder sogar gleich. Bürokratie, Klimawandel und schlechte Preise für Erzeugnisse sind Beispiele, bei denen die Interessenlage deutsche und französische Bauern und Winzer vereint. „Es ist wichtig, weiterhin zusammenzukommen, neugierig zu bleiben und sich mit Berufskollegen auszutauschen, um die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen,“ sagte Braun.
Joseph Daul, der von 2007 bis 2014 Fraktionsvorsitzender der EVP und von 2013 bis 2019 deren Vorsitzender war, sprach über seine Wahrnehmung von der EU und Europa insgesamt. Der erneute Anstieg extremer rechter Parteien in ganz Europa und speziell in Frankreich und Deutschland ist Grund zur Sorge, so Daul. „Es wird Gewitter geben“, räumte er ein. Umso wichtiger sei es, standhaft zu bleiben.
Aus seiner aktiven Zeit weiß der ehemalige Europapolitiker zu berichten, dass in Brüssel oder Straßburg immer weniger miteinander geredet wird. Wenn aber die Politiker nicht mehr persönlich miteinander sprechen, sei es umso wichtiger, dass die Menschen „hüben wie drüben“ dies tun.
Für die Europäische Union wünschte sich Daul mehr Geld für eine gemeinsame Verteidigung. Das habe man in der Vergangenheit verpasst und müsse es nun aufholen. Es sei allerdings sehr wichtig, darauf zu achten, dass nicht die landwirtschaftliche Förderung auf Kosten der Verteidigung gekürzt werde. Beides sei von entscheidender Bedeutung. Er kritisierte, dass bei Reformvorhaben der EU allzu oft die Finanzierung ungeklärt bleibt. Darunter leide nicht zuletzt die Landwirtschaft sowohl in Frankreich als auch in Deutschland.
Was die kommenden Wahlen in Frankreich angeht, sei deren Ausgang völlig ungewiss. Doch „die Hoffnung macht das Leben; also machen wir weiter“, so Daul.
Mehr Gemeinsames als Trennendes
Während zweier Weltkriege und der Zeit dazwischen waren Deutsche und Franzosen Feinde. Es wurden in Frankreich vor dem ersten Weltkrieg gigantische Aufwendungen betrieben, um die Maginot Linie zu erbauen.
Auf deutscher Seite entstand vor dem zweiten Weltkrieg der Westwall. Kurt Beck, ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, bezeichnete diesen als: „Mahnmal des Größenwahns und der Feindschaft untereinander.“ Bezahlt haben die Menschen auf beiden Seiten der Grenze mit Not, Elend und Zerstörung. Mit diesem Rückblick in die Geschichte hob Beck die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft noch einmal hervor. Er erinnerte an die Leistungen von Politikern wie Charles de Gaulle oder Konrad Adenauer, die nach dem Krieg für eine Aussöhnung von großer Bedeutung waren. In erster Linie seien aber die Menschen entscheidend für die Einigung. Die Landwirtschaft, so Beck, ist prägend sowohl für die Pfalz als auch für das Elsass. Aus bäuerlichen Strukturen und vergleichbaren Bedingungen sei eine gemeinsame Kultur entstanden.
„In der Gemeinsamkeit liegt ein Vorteil für jeden einzelnen Betrieb, aber eben auch ein Vorteil für unsere gemeinsame Heimat und am Ende auch eine Bindekraft, die dieses Europa zusammenhält“, sagte Beck. Er wünscht sich dies auch für die Zukunft. Er schloss seine Rede mit zwei Bitten: Junge Menschen für den Austausch anzusprechen und sie dabei zu unterstützen. Auch würde es ihn freuen, in pfälzischen Zeitungen mehr Nachrichten aus dem Elsass und umgekehrt lesen zu können. Das könne dabei helfen, Vorurteile, die teilweise nach wie vor bestehen, abzubauen.
Imanuel Krick, Redakteur Landwirtschaftliches Wochenblatt

Von links: Paul Schiellein, Reinhold Hörner, Kurt Beck, Joseph Daul, Fritz Steegmüller und Didier Braun © I. Krick

