Winzer dürfen kein Spielball internationaler Handelskonflikte sein Weinbauverbände Rheinhessen und Pfalz kritisieren US-Strafzölle auf Wein

(bwv) Mainz. Die Weinbauverbände Rheinhessen und Pfalz im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV) äußern ihr Unverständnis über die morgen in Kraft tretenden US-Strafzölle auf deutschen Wein in Höhe von 25 Prozent. Aus Sicht der Präsidenten Ingo Steitz (Rheinhessen) und Reinhold Hörner (Pfalz) könne es nicht sein, dass am Ende eines 15-jährigen Rechtsstreites zwischen den beiden größten Flugzeugbauern der Welt deutsche Winzer die Leidtragenden sind.

Nach einem Urteil der Welthandelsorganisation (WTO) dürfen die USA aufgrund unzulässiger Subventionen der Europäischen Union für Airbus Strafzölle auf Importe im Volumen von 7,5 Milliarden Dollar pro Jahr erheben. Dies entspreche dem jährlich entstandenen Schaden gegenüber den USA. Das Handelsministerium in Washington hatte danach Zollerhöhungen unter anderem auf Wein angekündigt. Ein solcher Sanktionsmechanismus ist aus Sicht der Weinbauverbände grundsätzlich zwar nicht falsch, schließlich werden in anderen Fällen europäische und damit auch deutsche Interessen gewahrt. Kritik üben sie aber an der Möglichkeit sektorunabhängig Strafzölle zu erheben.

Steitz und Hörner sind sich einig, dass die Branchen, welche von den durch die WTO festgestellten unzulässigen Subventionen profitiert haben, auch zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Die jetzige Ausgestaltung treffe mit dem Weinbau einen vollkommen unbeteiligten Wirtschaftsbereich und führe zu Wettbewerbsverzerrungen. Betroffen sind alle Staaten mit Produktionsstandorten von Airbus, hierzu zählen neben Deutschland auch Spanien und Frankreich. Weine aus diesen Ländern werden sich in den USA deutlich verteuern und unattraktiver werden für die dortigen, sehr preissensiblen Konsumenten.

Hinzu komme, dass Weine aus den anderen EU-Staaten wie Italien und Portugal keine Aufschläge zu befürchten haben und die entstehende Lücke im Export gerne füllen werden. Einmal verloren gegangene Exportkapazitäten könnten nur mühevoll wieder zurückgewonnen werden, das hätten die vergangenen Jahre mit kleinen Weinernten und entsprechend geringen Exportpotential gezeigt. Vor diesem Hintergrund müsse sich die Europäische Kommission schnellstmöglich um eine Beendigung dieses Handelskonfliktes bemühen, um größere Kollateralschäden zu verhindern, so die beiden Weinbaupräsidenten.

Die USA sind der wichtigste Exportmarkt für deutsche Weine. So wurden laut Deutschem Weininstitut im vergangenen Jahr rund 171.000 Hektoliter Wein im Wert von 71 Millionen Euro in die USA ausgeführt.