Weinlese in Rheinhessen so gut wie abgeschlossen

Weinberg HerbstDeutlich früher als in anderen Jahren, nämlich schon ab Anfang September, hat in diesem Jahr die Traubenernte in den rheinhessischen Weinbergen begonnen. Zwischenzeitlich sind fast alle Trauben geerntet, der Großteil der Winzer hat nach Angaben der Vertreter des Rheinhessischen Wein­wirtschaftsrates anlässlich der Herbstvesper in Oppenheim die Ernte bereits komplett eingefahren.

Ursache hierfür war der deutliche Entwicklungsvorsprung der Reben im Vergleich zum langjährigen Mittel, der über die gesamte Vegetationszeit festzustellen war. Nach einem trockenen Winter sind die Reben bereits in der ersten Aprilhälfte und damit früh ausgetrieben. Auf einen zwischenzeitlichen Kälteeinbruch folgten dann ideale Bedingungen für einen rasanten Wuchs im Sommer, die ebenfalls zu einer frühen Reife beigetragen haben. Bis in den Mai hinein wurde diese Entwicklung begleitet durch eine ausgeprägte Trockenheit, die die Reben allerdings gut verkraftet haben. Im Juni sowie im Juli schließlich gab es erhebliche Niederschläge, die im Ergebnis doch noch zu einem Ausgleich der Niederschlagsbilanz führten. Der Reifebeginn lag in diesem Jahr rund 14 Tage vor der üblichen Norm.

Die Freude über den guten Zustand der Weinberge wurde leider getrübt durch einige unerfreuliche Wetterkapriolen, die nur wenige Teilgebiete in Rheinhessen außen vor gelassen haben. Verantwortlich hierfür waren verschiedene Spätfröste Ende April sowie einige lokale Hagelereignisse ab dem Monat Mai bis sogar unmittelbar vor der Ernte.

In den letzten Tagen haben viele Winzer bei idealen äußeren Bedingungen mit kalten Nächten und milden Tagen viele Highlights der diesjährigen Ernte einbringen können. Die Trauben liefern mit einem herrlichen Aroma und einer optimalen Balance zwischen Mostgewicht und Säure eine gute Basis für Spitzenqualitäten.
Mengenmäßig rechnet man mit einer unter­durch­schnittlichen Ernte bei guten Qualitäten. Die Oechslegrade bewegen sich dabei im Norm-bereich, haben aber besonders in den letzten Wochen noch gut zugelegt.

Auffällig sind, wie auch im Vorjahr, die teils erheblichen Ertragsunterschiede in den Teilregionen und Betrieben, bei den Winzern auch „neidischer Herbst“ genannt. In Rheinland-Pfalz insgesamt wird die Weinmostmenge mit 5,4 Mio. hl nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Landesamtes ca. zehn Prozent unter dem langjährigen Mittel ausfallen.

Auf die Erzeugerpreise hat sich diese Entwicklung bereits ein wenig ausgewirkt, die Fassweinpreise haben sich etwas stabilisieren können, liegen aus Erzeugersicht bei einigen Rebsorten aber nach wie vor auf unbefriedigendem Niveau.

Erfreuliche Zuwächse sind von der Qualitätsweinprüfung der Landwirtschaftskammer zu berichten. Hier kommt es in den ersten acht Monaten des Jahres 2017 bei Weißwein zu einem Plus von 10,6 % im Vorjahresvergleich, bei Rotwein dagegen kam es zu einem Minus von 7,1 %. Insgesamt aber bleibt es bei einem Zuwachs.

Nach wie vor bleibt der Lebensmittel­handel, hier vor allem die Discountschiene, unverändert der deutlich stärkste Vertriebsweg für Weine aus Rheinhessen.

Im Export hat sich der Absatz rheinhessischer Weine noch nicht durchgängig nach den Vorstellungen der Vermarkter entwickeln können. So gibt es aus Großbritannien weiterhin keine positiven Nachrichten, auch der schwedische Markt tut sich schwer. Neue Vermarktungsimpulse ergaben sich dagegen in den Niederlanden, Polen, Finnland und China.

Im Hinblick auf die beginnende Debatte über eine mögliche Weingesetzänderung weist der Weinwirtschaftsrat auf das bestehende „Qualitäts- und Herkunftsmodell“ des Weinbauverbandes Rheinhessen hin, das bereits von vielen Betrieben mit Erfolg und guten Erfahrungen angewandt wird. Eine breitere Umsetzung des Grundsatzes „Je höher die Qualität, desto enger die Herkunftsbezeichnung“ sei daher sinnvoll.‘

Auch die Abwicklung der im Rahmen der EU-Weinmarktordnung aktuell laufenden Förderprogramme wurde angesprochen. Hier gebe es bei einigen Programmen deutlichen Verbesserungsbedarf. Zum Beispiel warten viele Winzer seit Wochen auf den Abschluss des sich in die Länge ziehenden Kontrollverfahrens und die Freigabe zum Roden der alten Rebanlagen, um das gute Wetter nutzen zu können. Die Details der einzelnen Programme seien daher deutlich im Ablauf zu verbessern.

Für Verdruß auf breiter Fläche hat nicht zuletzt die Auslegung der Vorgaben zur Tresterverwertung gesorgt. Die übliche und sinnvolle Ausbringung von Trester als Ernterückstand auf Weinbergs- oder Ackerflächen wird dadurch unnötig erschwert. Teilweise kommt es dabei sogar zu einem Unterlaufen der Empfehlungen zur Bekämpfung der Kirschessigfliege, wenn infolge der neuen Vorgaben kurzzeitige Trester-Mieten inmitten von Weinbergsarealen angelegt und zu potentiellen Verbreitungsherden für den Schädling werden.

Quelle: Pressemeldung des Rheinhessischen Weinwirtschaftsrates vom 4. Oktober 2017