Liquiditätsplanung als Erfolgsfaktor landwirtschaftlicher Betriebe Berufsstand und Banken im Dialog

(bwv) Mainz. Gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank veranstaltete der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. im Mai 2018 seine Agrarfinanztagung im pfälzischen Wartenberg-Agrarfinanztagung 2018Rohrbach. Geladen waren Banken aus dem Verbandsgebiet des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. und dem benachbarten Saarland sowie überregional tätige Kreditinstitute. Bei dem Treffen, dass alle zwei bis drei Jahre stattfindet, soll der Austausch zwischen Berufsstand und Banken intensiviert werden, um eine noch bessere Betreuung der Kundengruppe Landwirte und Winzer zu ermöglichen.

In seinen Eingangsworten skizzierte BWV-Präsident Eberhard Hartelt die Herausforderungen der Agrarbetriebe im Hinblick auf ihre Finanzierung. Durch die hohe Volatilität der Erzeugerpreise, die Zunahme von Extremwetterereignissen und den steigenden Investitionsbedarf durch zunehmende Anforderungen an die Produktion, komme der Liquiditäts- und Finanzplanung eine immer größere Bedeutung zu. Darüber hinaus gehöre die Branche, die sich durch eine hohe Innovationsbereitschaft auszeichne, zu den kapitalintensivsten überhaupt. Allerdings sei die Umsetzung von großen Investitionen in kleinen Strukturen schwierig. Vor diesem Hintergrund müssten die staatlichen Förderprogramme ausgeweitet werden. Hartelt warb zudem für Kooperationsmodelle, damit alle Betriebe einerseits vom technischen Fortschritt profitieren und anderseits neue gesetzliche Auflagen erfüllen können.

Aus Sicht von Dr. Klaus Hollenberg, Abteilungsleiter Agribusiness der Landwirtschaftlichen Rentenbank, sind die Agrarbetriebe und ihre Unternehmer gut aufgestellt. Die Rentenbank ist in den Nachkriegsjahren als Förderbank für die Agrar- und Ernährungswirtschaft gegründet worden. Mit den verschiedenen Förderprogrammen werden Investitionen und Innovationen gefördert. Nicht zuletzt das niedrige Zinsniveau haben Landwirte und Winzer in den letzten Jahren genutzt und Maschinen, Gebäude und Ställe modernisiert. In seinem Vortrag sprach Dr. Hollenberg, der vor seinem Studium eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert hat, von großen Unsicherheiten, welche die Planungen der Betriebe erschweren würden. Preisschwankungen müssen stärker bei Investitionen berücksichtigt werden. Aus seiner Sicht würde die Marktliberalisierung der vergangenen Jahre aber weiterhin große Chancen bieten. Agrarprodukte aus Deutschland seien auch zukünftig nicht nur in der Heimat, sondern weltweit auf Grund ihrer hohen Qualität gefragt. Landwirte und Winzer blieben damit, trotz aller Herausforderungen, eine attraktive Kundengruppe für die Banken.

Andrea Adams, Hauptgeschäftsführerin des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., stellte den Tagungsteilnehmern die Grundzüge der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU vor. Die nächste Reform des Regelwerks stehe bevor und werde derzeit intensiv diskutiert. Nach Veröffentlichung des Mehrjährigen Finanzrahmens der EU Anfang Mai sei sicher, dass dem Agrarsektor weniger Geld zur Verfügung stehen werde.

Allerdings seien die finalen Auswirkungen für die Betriebe in Rheinland-Pfalz noch nicht zu beziffern, da noch viele Dinge ungeklärt seien. Dies gelte auch für die Vorschläge zur Umgestaltung der Förderungsvoraussetzungen in der 1. und 2. Säule der GAP. Für eine Bewertung müssten die konkreten Verordnungsvorschläge der EU-Kommission Ende Mai abgewartet werden.

Zu befürchten sei aber, dass es trotz wiederholter Ankündigung nicht zu einem Bürokratieabbau komme. Im Gegenteil, die Programme würden seit Jahren immer komplexer und führten zu einem hohen Sanktionsrisiko für die Betriebe. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. werde sich in den laufenden Verhandlungen im Sinne des Berufsstandes einsetzen.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. ist aber nicht nur Dienstleister für seine Mitglieder, sondern auch für deren Hausbanken. BWV-Steuerreferent Rudi Werner stellte das umfangreiche Angebot des Verbandes und seiner Tochterunternehmen in den Bereichen Steuer und Betriebswirtschaft vor. Alle Unternehmen und auch der Verband selbst seien zertifiziert und damit Vorreiter in der Branche. Durch die großen Marktanteile verfüge man über eine ausgewiesene Expertise, die für die Banken bei Finanzierungsentscheidungen von großem Nutzen seien. So würden betriebswirtschaftlichen Jahresabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen beziehungsweise Geldberichte, kurzfristige Erfolgsrechnungen und Unternehmensanalysen mit horizontalem und vertikalem Betriebsvergleich zum Portfolio gehören. Aber auch im Hinblick auf die landwirtschaftliche Unternehmensnachfolge sei der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. ein kompetenter Ansprechpartner. Der Verband begleite ganzheitlich Hofübergaben über verschiedene Modelle, aber auch Betriebsaufgaben. Die Beratung in den Bereichen Steuer, Recht, Sozialversicherung und Betriebswirtschaft erfolge aus einer Hand was einen großen Vorteil für die Betriebe darstelle. Laut Rudi Werner ist es entscheidend, sich rechtzeitig Gedanken zur Unternehmensnachfolge zu machen und von Anfang an alle Beteiligen mit einzubeziehen und deren Interessen zu berücksichtigen. Nur so könne ein solch bedeutendes Projekt, das normalerweise nur einmal im Leben eines Landwirtes oder Winzer angegangen wird, erfolgreich durchgeführt werden.

Zum Abschluss der Tagung referierte Christoph Bai von der BWV Agrarservice und Management GmbH über die Besonderheiten bei der Bewertung von Investitionsvorhaben landwirtschaftlicher Unternehmen. Dabei sollte nicht nur das Rating der Banken entscheidend sein, dass sich derzeit zunehmend auf die Kapitaldienstfähigkeit der Betriebe fokussiere. Vielmehr müssten darüber hinaus die individuellen Perspektiven und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Unternehmens berücksichtigt werden. Aber auch die Analyse der Investitionsgründe und des persönlichen Umfeldes sei ein wichtiger Baustein der Entscheidungsfindung.

Referenten und Bankenvertreter waren sich einig, dass der Investitionsbedarf in der Landwirtschaft weiterhin hoch bleiben werde. Darüber hinaus entwickle sich die Liquiditätsplanung aufgrund von volatilen Märkten und andere Unsicherheiten immer mehr zu einem Erfolgsfaktor für die Betriebe. Vor diesem Hintergrund sei ein guter Kontakt zwischen Banken und Berufsstand erforderlich und eine weitere Auflage der Tagung absolut wünschenswert.

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