Hitze macht den Landwirten einen Strich durch die Rechnung Unterdurchschnittliche Getreideernte im südlichen Rheinland-Pfalz erwartet

(bwv) Mainz. Die Landwirte im südlichen Rheinland-Pfalz haben aufgrund der Hitze in den vergangenen Wochen ihre Erwartungen an die diesjährige Getreideernte deutlich nach unten geschraubt. Bei der Erntepressekonferenz des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV) am 16. Juli 2019 im rheinhessischen Ober-Olm prognostizierte Verbandspräsident Eberhard Hartelt eine insgesamt unterdurchschnittliche Erntemenge mit einer hohen Bandbreite bei Ertrag und Qualität. Aus Sicht der Betriebe sei dies enttäuschend, da das Frühjahr mit seinem feuchten und kühlen Mai nahezu optimale Voraussetzungen für eine gute Ernte geboten habe.

Zwar seien bei der Wintergerste noch zufriedenstellende Ergebnisse erzielt worden, aber die Hitze ab Mitte Juni habe den späten Getreidesorten in einer wichtigen Wachstumsphase zugesetzt. Bei Sommergerste und Weizen seien daher ebenso Abstriche zu machen wie beim Raps. Allerdings seien Erträge und Qualitäten stark abhängig von den jeweiligen Bedingungen vor Ort. Die Niederschläge Ende der vergangenen Woche werden die Situation beim Getreide nicht mehr verbessern. Der Regen habe aber zumindest zur kurzfristigen Entschärfung der angespannten Wassersituation geführt und bei vielen Kulturen für Entlastung gesorgt. Trotzdem sei weiterer Niederschlag erforderlich, auch um die im vergangenen Jahr vollständig aufgebrauchten Wasservorräte der Böden wieder aufzufüllen.

Begleitet waren die Regenfälle teilweise von heftigen Unwettern mit Sturm und Hagel, die lokal zu erheblichen Schäden geführt haben. In Bobenheim am Berg sorgte ein Tornado für eine Schneise der Verwüstung und knickte Rebzeilen auf rund 40 Hektar um. Im südpfälzischen Gommersheim und den angrenzenden Gemeinden wurden mehrere hundert Hektar Acker- und Sonderkulturflächen durch Hagel massiv geschädigt. Laut BWV-Präsident Hartelt zeige auch dieses Jahr die Bedeutung der Risikovorsorge im Hinblick auf zunehmende Wetterkapriolen durch den Klimawandel. Vor diesem Hintergrund sei die flächendeckende Einführung von Mehrgefahrenversicherungen erforderlich. Darüber hinaus dürfe man den Betrieben beim Bau von Kulturschutzeinrichtungen oder dem Ausbau der Beregnung keine Steine in den Weg legen.

Aufgrund der tendenziell zunehmenden Trockenheit während der Vegetationsperiode rückt das Thema Wasserverfügbarkeit immer stärker in den Fokus. Bei bestimmten Obstkulturen und insbesondere im Gemüsebau ist die Beregnung schon heute unverzichtbar. So sichert beispielsweise die Vorderpfalzberegnung die Produktion im Gemüsegarten Rheinpfalz.

Diese steigenden Produktionskosten müssen aber in steigenden Erzeugerpreisen ihre Berücksichtigung finden, weil sonst der Anbau vieler Kulturen auf ein unwirtschaftliches Niveau sinkt. Hier nahm Hartelt insbesondere den Lebensmitteleinzelhandel in die Pflicht, der zwar mit Regionalität werbe, sich diese aber bei der Warenbeschaffung nichts kosten lassen wolle.

Der fehlende Niederschlag hat aber nicht nur Auswirkungen auf den Ackerbau und die Sonderkulturen, auch die Grünlandstandorte sind betroffen. Nach zwei Grasschnitten mit guten Erträgen, fand auf den Flächen kein Wachstum mehr statt und die Futtersituation bleibt auch nach den Regenfällen vergangene Woche weiter angespannt. Der BWV-Präsident begrüßte daher die Freigabe der ÖVF-Flächen zur Futternutzung durch das Land. Dies sei eine willkommene Unterstützung, aber zur mittelfristigen Sicherung der Futterversorgung brauche es noch mehr Regen, damit sich die Wiesen und Weiden nachhaltig erholen können.

Auch die Winzer wünschen sich noch weitere Niederschläge bis zur Weinlese. Zwar wurzeln Rebstöcke besonders tief, aber das Wasser in diesen Bodenschichten haben die Reben schon im vergangenen Jahr aufgebraucht, Reserven sind nur noch begrenzt vorhanden. Junganlagen sind aktuell besonders von der Trockenheit betroffen und werden teilweise bewässert. Qualitativ sei man bislang sehr optimistisch, so der BWV-Präsident, der Gesundheitszustand der Reben und Trauben sei optimal. Was die Menge angehe, seien die Erwartungen nach 2018, der größten Ernte in den letzten zwanzig Jahren, eher gedämpft.

Für die Gesamtbilanz des Jahres komme es auf die Witterung in den nächsten Wochen an. Zum jetzigen Zeitpunkt sei noch nicht entschieden, wie der Rückblick auf das Jahr 2019 einmal ausfallen werde, so Hartelt abschließend.