Hartelt: Ein Jahr zwischen Hoffen und Bangen

Ein Jahr zwischen Hoffen und BangenBeim Landeserntedankfest des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV) am 1. Oktober 2016 im südwestpfälzischen Wallhalben sprach BWV-Präsident Hartelt von einem schwierigen Jahr mit großen Herausforderungen. Das Leben der Bauern und Winzer sei ein Leben zwischen Hoffen und Bangen, aber insbesondere das Jahr 2017 stimme nachdenklich im Hinblick auf die Abfolge extremer Wetterkapriolen.

Nach dem wärmsten März seit Wetteraufzeichnungen kam es zu einem frühen Austrieb der Reben und auch die Obstbäume standen schon Mitte April in voller Blüte. Eine einzige Frostnacht mit außergewöhnlich tiefen Temperaturen führte dann zu teilweise massiven Ausfällen bei der Wein- und Obsternte. Es folgte eine Phase mit großer Trockenheit und Hitze, die sich negativ auf die Erträge beim Grünfutter und Getreide auswirkte. Auch wenn die Ernteergebnisse für die meisten Produzenten noch passabel ausgefallen seien, zeigte Hartelt großes Verständnis für die Betriebe, denen es aufgrund der Ausfälle schwerfalle Erntedank zu feiern. Trotz aller Schwierigkeiten sei am Erntedankfest zwischen Hoffen und Bangen aber dennoch Platz für Dankbarkeit und Zufriedenheit, gerade mit Blick auf die Krisen und Katastrophen in der Welt.

Für die Zukunft müsse sich der Berufsstand intensiv mit den möglichen Auswirkungen des Klimawandels auseinandersetzen. Dazu gehöre laut BWV-Präsident auch die Diskussion über die Ausweitung der Risikoabsicherung. Er forderte zudem eine gesamtgesellschaftliche Solidarität mit den Menschen, deren Arbeit besonders von den Einflüssen der Natur abhänge. Die Agrarbranche sorge mit hervorragend ausgebildeten Landwirten zuverlässig für die Nahrungsmittelsicherheit der gesamten Bevölkerung. Ein neuer Dialog mit dem Großteil der Gesellschaft der weder sät noch erntet sei deshalb erforderlich, um einen gemeinsamen und erfolgreichen Weg in die Zukunft zu finden.

Erntedank-Gottesdienst Kirche WallhalbenIm ökumenischen Gottesdienst in der Evangelischen Kirche Wallhalben betonte Pfarrerin Petra ArmbrustStepponat, dass viele von den Früchten der Felder profitieren, auch wenn nur wenige sie einholen. Sie unterstrich auch die Bedeutung des Engagements des landwirtschaftlichen Berufsstandes mit der Landjugend und den Landfrauen für den Erhalt des dörflichen Lebens. Das Erntedankfest sollte deshalb eine Gelegenheit sein, um sich darauf zu besinnen, dass nicht nur Geld und wirtschaftliches Wachstum wichtig seien, sondern auch kultureller Reichtum, Gemeinsinn und eine lebenswerte Heimat für die Menschen in den ländlichen Räumen.   

Nach dem Gottesdienst überreichte die Landjugend RheinhessenPfalz die selbst gebundene Erntekrone an die Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben. Die vier Stränge der Krone haben die übertragende Bedeutung von HOFFNUNG auf eine gute Ernte, GLAUBE des Bauern an seine Arbeit, SORGE des Bauern um seine Ernte und DANK des Bauern für eine gute Ernte. Die Vorsitzende der Landjugend, Sarah Harff-Cassel, hob dabei hervor, dass es vielen Betrieben trotz herausfordernder Bedingungen gelungen sei gut zu wirtschaften und ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Sorge bereite ihr, dass laut Umfragen zwar ein Großteil der Bevölkerung der Landwirtschaft vertraue, aber immer weniger Menschen Kenntnis über moderne Produktionsmethoden hätten. Es sei deshalb wichtig, offen über die eigene Arbeit zu kommunizieren und  zu vermitteln, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass die Regale in den Supermärkten stets gefüllt seien.

Auch Beate Schnur, Vorsitzende des LandFrauen-Kreisverbandes Südwestpfalz, warb für ein verbessertes Verständnis zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Die Landfrauen setzten sich deshalb besonders im Bereich der Ernährungsbildung ein. Hauptanliegen seien dabei eine gesunde Ernährung, die Regionalität der Erzeugung und die Reduktion der Verschwendung von Lebensmitteln. Das Erntedankfest sei vor diesem Hintergrund von besonderer Bedeutung, da es in nahezu allen Ländern und Kulturen gefeiert werde und neben dem Dank für die Früchte des Feldes auch eine mahnende Botschaft gegen den Hunger in der Welt transportiere.