Grußwort zum Landeserntedankfest 2017

Präsident Eberhard HarteltLiebe Landwirte und Winzer, liebe Landfrauen, Landsenioren und Landjugendliche,

am 1. Oktober 2017 feiert der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. in Wallhalben sein diesjähriges Landeserntedankfest. Mittelpunkt der Veranstaltung ist ein ökumenischer Gottesdienst um 10:30 Uhr in der Evangelischen Kirche, zu dem ich Sie alle sehr herzlich einlade. Gemeinsam wollen wir dort für die diesjährige Ernte danken und um Gottes Segen für das kommende Jahr bitten.

Die Abfolge außergewöhnlicher Wetterkapriolen hat erneut gezeigt, dass Landwirtschaft und Weinbau, trotz aller technischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte, entscheidend von Witterungseinflüssen abhängig sind und auch in Zukunft weiterhin bleiben werden. In einigen Betrieben wird es in diesem Jahr schwer fallen Erntedank zu feiern, da sie teilweise erhebliche Ernteausfälle zu beklagen haben. Dafür habe ich großes Verständnis. Aber wir sollten uns zu diesem Anlass bewusst werden, dass wir mit Blick auf die restliche Welt an einem privilegierten Ort leben und arbeiten dürfen. Unsere ertragsstarken Böden und das milde Kima mit ausreichenden Niederschlägen versetzen uns in die Lage großartige Lebens- und Genussmittel zu erzeugen. Dafür sollten wir dankbar sein. Durch den Entwicklungsstand der Technik hat die moderne Landwirtschaft zudem viele Möglichkeiten Einfluss zum Wohle aller zu nehmen, wenn die gottgegebenen Bedingungen nicht optimal sind.

Das trifft auch auf das Jahr 2017 zu, das große Herausforderungen mit sich brachte und zunächst sehr zuversichtlich begann. Der strenge Frost brachte eine ausgeprägte Frostgare mit sich, ohne zu größeren Auswinterungsschäden zu führen. Das Frühjahr startete mit dem wärmsten März seit Wetteraufzeichnungen und bescherte der Natur einen großen Entwicklungssprung. Die ersten Spargel wurden bereits Mitte des Monats gestochen. Die warme Witterung hatte zur Folge, dass Mitte April die Reben schon weit ausgetrieben waren und die Obstbäume in voller Blüte standen.

Die Hoffnungen vieler Obstbauern und Winzer in Rheinhessen und der Pfalz wurden dann in nur einer Nacht zerstört. Am 20. April sanken die Temperaturen verbreitet deutlich unter den Gefrierpunkt und führten zu erheblichen Frostschäden an Obstbäumen, Erdbeeren und Weinreben. Auch am 24. April kam es zu massivem Frost mit Temperaturen von bis zu -8 Grad Celsius. Baumobst war von den Frostereignissen am stärksten betroffen. In vielen Anlagen gab es einen Totalausfall, die Betriebe haben mit großen Ertragsverlusten zu kämpfen. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. setzte sich deshalb erfolgreich dafür ein, dass der Weg für Finanzhilfen, Steuererleichterungen und Kredite der Landwirtschaftlichen Rentenbank frei gemacht wurde. Auch wenn die Ausfälle durch diese Maßnahmen nicht gedeckt werden, tragen sie in manchen Betrieben dazu bei, diese schwierige Situation zu überstehen.

Es folgte eine Phase mit wochenlanger Trockenheit. Dies machte sich zuerst auf den Grünlandstandorten bemerkbar. Die ersten Schnitte waren deutlich reduziert. Vor diesem Hintergrund konnte der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. erreichen, dass brachliegende Ackerflächen und Feldränder zur Nutzung freigegeben wurden. Während der Kornfüllphase des Getreides fehlte es in vielen Regionen ebenfalls an Regen, was sich negativ auf die Erträge auswirkte. Der Wassermangel führte in Verbindung mit hohen Temperaturen zu einer schnellen Abreife der Bestände und einem Erntebeginn bereits Ende Juni. In den frühen Gebieten konnten Getreide und Raps vor dem Einsetzten ergiebiger Niederschläge eingebracht werden. In den späten Lagen der Nord- und Westpfalz begann ein Geduldsspiel mit zahlreichen regenbedingten Ernteunterbrechungen. Insgesamt wurde eine leicht unterdurchschnittliche Erntemenge erzielt, die aber nicht über die lokal sehr schwankenden Erträge hinwegtäuschen darf. Aus qualitativer Sicht sind insbesondere die frühen Partien positiv zu bewerten und im Vorteil gegenüber den spät geernteten. Die Preissituation ist nach wie vor nicht zufriedenstellend.

Unbefriedigend war auch der Absatz von Gemüse und Kartoffeln in diesem Sommer. Obwohl Ware aus regionaler Produktion schon Wochen in ausreichender Menge zur Verfügung stand, bot der LEH weiterhin hauptsächlich spanische Ware, oftmals zu Dumpingpreisen an. Durch die Billigimporte zu Beginn der Saison geriet der Markt erheblich unter Druck und die Erzeugnisse aus der Region fanden keine Abnehmer. Die Preise brachen ein und waren verbreitet nicht mehr kostendeckend. Nach der öffentlichen Kritik des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. begann der Handel zwar umzustellen, aber dieser Wechsel kam zu spät. Regionalität blieb einmal mehr ein Lippenbekenntnis.

Noch weiter globalisiert wird hingegen der europäische Zuckermarkt. Quoten und Mindestpreise laufen am kommenden Samstag aus. Die Zuckerrübenernte ist derzeit in vollem Gange. Die bisherigen Rodungen lassen ein sehr gutes Ergebnis erwarten. Damit ist ein erster Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Zeit nach der Zuckermarktordnung.

Während die Rübenkampagne noch bis in den Januar hinein dauern wird, befindet sich die Weinlese schon in den letzten Zügen. Bereits in den letzten Augusttagen begann in einzelnen Betrieben die Ernte der frühreifen Rebsorten. Da witterungsbedingt mit dem Auftreten der Kirschessigfliege zu rechnen war, konnte der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. das Absenken des Mindestmostgewichts bei Dornfelder in Verbindung mit einer erhöhten Anreicherung durchsetzen. Im Vorfeld der Lese waren auch niedrige Säurewerten erwartet worden, weshalb sich der Verband auch für die Zulassung der Säuerung einsetzte. Die hohe Schlagkraft der rheinhessischen und pfälzischen Winzer hat sich auch im diesjährigen Herbst als großer Vorteil erwiesen. In den Kellern lagern nach einer sehr kurzen Lese nun qualitativ hochwertige Moste, die einmal mehr zu hervorragenden Weinen heranreifen werden. Nur in Bezug auf die Menge müssen frostbedingt Abstriche gemacht werden.

Die vergangenen Jahre waren ein Vorbote dessen, was uns durch den Klimawandel aller Wahrscheinlichkeit nach verstärkt beschäftigen wird. Stabile Wetterlagen, die wochenlang Feuchte oder Trockenheit, Hitze oder Kälte bringen, frühe Austriebe und späte Fröste, höchst unterschiedlich verteilte Niederschläge und eine Häufung von Unwettern.

Darauf werden wir Antworten finden und unsere Betriebe, Kulturen und Anbausysteme entsprechend einstellen müssen. Ich bin mir trotzdem sicher, dass wir auch in Zukunft ein privilegierter Agrarstandort bleiben werden und wir Jahr für Jahr Erntedank feiern können.

Es würde mich deshalb sehr freuen, wenn sie am 1. Oktober 2017 zahlreich in die Evangelische Kirche nach Wallhalben kommen. Der ökumenische Erntedankgottesdienst findet unter Mitwirkung der Evangelischen Kirche der Pfalz, dem Bistum Speyer, dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V., der Landjugend RheinhessenPfalz, dem Singkreis Wallhalben und dem BWV-Ortsverein Wallhalben statt. Für die musikalische Umrahmung sorgt das Bläserensemble Schmitshausen.

Im Anschluss daran übergibt die Landjugend auf dem Dorfplatz die gesegnete Erntekrone an die Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben. Einen besonderen Ausklang des Erntedankfestes bietet der 14. Sickinger Grumbeere-Markt mit historischem Flair. Das ländliche Markttreiben mit bäuerlicher Kultur, alter Handwerkskunst und einem Bauernmarkt lädt zum Verweilen ein.

Ich freue mich auf Ihr Kommen!

Ihr

Eberhard Hartelt
Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.