Grußwort zum Jahreswechsel 2018/2019 von Präsident Eberhard Hartelt

Liebe Landwirte und Winzer, liebe Landfrauen, Landsenioren und Landjugendliche,Präsident Eberhard Hartelt

„Jeder ist seines Glückes Schmied!“ – dieses Sprichwort kennen Sie sicherlich alle und viele von Ihnen werden es auch selbst schon einmal verwendet haben. Es besagt, dass wir selbst für den Erfolg und das Glück in unserem Leben verantwortlich sind und es in unseren eigenen Händen liegt, diese Ziele zu erreichen. Eigentlich eine schöne Vorstellung, aber aus unseren eigenen Erfahrungen wissen wir, dass es nur eine Wunschvorstellung ist. Viele Faktoren, die wir selbst nicht beeinflussen können, haben Auswirkungen auf unseren Alltag, unsere Entscheidungen und unser Handeln. Dies gilt auch mit Blick auf unsere Tätigkeit als Landwirt oder Winzer.

Die teilweise extremen Witterungsverläufe der letzten Jahre haben gezeigt, dass der landwirtschaftliche Berufsstand wie kein zweiter abhängig ist vom Wetter. In diesem Jahr führte eine der trockensten und wärmsten Vegetationsperioden in weiten Teilen Deutschlands zu massiven Ernteausfällen. Für die Zukunft sagt die Wissenschaft eine Häufung solcher Wetterextreme voraus, mit der sich die Landwirtschaft und der Weinbau arrangieren müssen. Ein Blick in die Vergangenheit beruhigt, denn er zeigt, dass es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gelang, die Produktion an sich ändernde Bedingungen anzupassen. Dies gilt sicher auch für die Auswirkungen des aktuellen Klimawandels. Der Faktor Wetter ist zwar nicht zu beeinflussen, aber es besteht die Möglichkeit, auf kommende Entwicklungen zu reagieren, um den betrieblichen Erfolg zu sichern – in eigener Verantwortung.

Voraussetzung für diese Selbstverantwortung ist aber Freiheit. Und zwar die unternehmerische Freiheit die zur Verfügung stehenden Optionen wirklich nutzen zu können: moderne Anbausysteme, Kulturschutzeinrichtungen, Beregnung, innovative Züchtungsmethoden, neue Wirkstoffe im Pflanzenschutzbereich, aber auch die Chance, in guten Jahren für schlechtere Zeiten finanziell vorsorgen zu können. Diese Freiheit gerät zunehmend unter Druck. Politische Rahmenbedingungen, welche die ökonomische Komponente der Nachhaltigkeit und die übergeordneten Ziele landwirtschaftlicher Produktion unberücksichtigt lassen, praxisferne Bewirtschaftungsauflagen, die zu massiven Einschränkungen führen, und die Marktmacht des LEH, die faire Erzeugerpreise verhindert, sind nur eine Auswahl von Steinen, die uns in den Weg gelegt werden und die Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe bedrohen.

Mit der zukünftigen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union, die im kommenden Jahr die agrarpolitische Agenda prägen wird, gibt es eine große Chance dieser besorgniserregenden Entwicklung Einhalt zu gebieten. Aber auch im Hinblick auf viele andere Bereiche ergeben sich Möglichkeiten, um eine Richtungsänderung in unserem Sinne einzuleiten. Diesen steinigen Weg möchte ich weiterhin mit Ihnen gehen und ich bin deshalb sehr dankbar, dass mir die Delegierten bei unserer Vertreterversammlung erneut das Vertrauen geschenkt und mich in meinem Amt als Präsident bestätigt haben.

Ich freue mich auf die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit mit Ihnen und hoffe auch im kommenden Jahr auf Ihre Unterstützung. Denn nur gemeinsam können wir es schaffen, dass Landwirtschaft und Weinbau wieder auf einem höheren Niveau widerstandsfähig, erfolgreich und damit auch attraktiv für die junge Generation werden. Lassen Sie uns zusammen dafür kämpfen, dass wir zukünftig wieder etwas mehr unseres Glückes Schmied sein dürfen. Dafür braucht es Geschlossenheit innerhalb des Berufsstandes und das Engagement im Ehrenamt und Hauptamt als Voraussetzung für eine starke und erfolgreiche Interessenvertretung.

Daher möchte ich mich bei allen, die sich für die Belange der heimischen Landwirtschaft und des Weinbaus eingesetzt haben, sehr herzlich bedanken. Der außergewöhnliche, vorbildliche Einsatz der vielen ehrenamtlich Tätigen, aber auch das große Engagement der Mitarbeiter im Verband ist keinesfalls selbstverständlich und verdienen unsere Anerkennung. Gleichzeitig möchte ich die Gelegenheit nutzen, auch allen Organisationen die mit uns verbunden sind und an unserer Seite im Interesse des Berufsstandes handeln, meinen Dank auszusprechen.

Auch das nächste Jahr wird uns wieder vor neue Herausforderungen stellen, die es zu meistern gilt. Die kommenden Tage sind deshalb eine gute Gelegenheit innezuhalten, zur Ruhe zu kommen und Kraft zu sammeln. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien im Namen des gesamten Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., aber auch ganz persönlich, eine schöne Weihnachtszeit mit besinnlichen und erholsamen Feiertagen, einen guten Rutsch und alles Gute für das Jahr 2019

Ihr

Eberhard Hartelt

Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.