Grußwort zum Jahreswechsel 2016/2017 von Präsident Eberhard Hartelt

Liebe Landwirte und Winzer, liebe Landfrauen, Landsenioren und Landjugendliche,

das zu Ende gehende Jahr 2016 hat uns wieder einmal sehr eindrucksvoll gezeigt, dass es in der Landwirtschaft und im Weinbau keine „normalen“ Jahre gibt. Die Abhängigkeit von der Natur, trotz aller Fortschritte und Innovationen in den vergangenen Jahrzehnten, wurde uns durch den außergewöhnlichen Witterungsverlauf deutlich vor Augen geführt. Gleichzeitig waren auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine große Herausforderung.

Deshalb möchte ich mich zuerst bei Ihnen allen für Ihre geleistete Arbeit in diesem Jahr, das alles andere als einfach war, sehr herzlich danken. Der landwirtschaftliche Berufsstand hatte schon immer die Fähigkeit, das Beste von einem Jahr zu erhoffen, aber gleichzeitig mit dem Schlimmsten zu rechnen. Mit dieser Einstellung und einem Einsatz, der weit über das Erwartbare hinaus geht, gelingt es Ihnen, gemeinsam mit Ihren Familien und Mitarbeitern auch unter widrigsten Bedingungen zu wirtschaften – so auch in diesem Jahr. Dies verdient großen Respekt und Anerkennung.

Nach einem zuversichtlichen Start in das Jahr mit guten Bedingungen im Frühjahr, bestimmten bald negative Nachrichten den weiteren Vegetationsverlauf. Zum einen gab es viele Unwetter mit Starkregen, Hagel und Überschwemmungen, die große Schäden verursachten. Zum anderen bot die wochenlange feuchte Witterung im Sommer optimale Bedingungen für die massive Ausbreitung von Pilzkrankheiten in nahezu allen landwirtschaftlichen Kulturen und im Weinbau. Mitte des 19. Jahrhunderts führten gleiche Bedingungen in Mitteleuropa zu einer Hungersnot in Folge von schwerwiegenden Missernten. Zwar gab es auch in diesem Jahr in vielen Bereichen deutlich geringere Erntemengen, aber von einem Totalausfall waren wir weit entfernt. Dass dies kein Zufall oder Glück war, sondern dem technisch präzisen Einsatz moderner Pflanzenschutzmittel durch hervorragend ausgebildete Landwirte und Winzer zu verdanken ist, konnten wir Journalisten, Verbrauchern und Politikern im Land glaubwürdig vermitteln.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. forderte in diesem Zusammenhang die Verbesserung der Zulassungssituation bei Wirkstoffen und Pflanzenschutzmitteln, die Intensivierung von Forschung und Entwicklung in diesem Bereich und einen sachlichen Diskurs beim Thema Pflanzenschutz. Diese Forderungen machte sich auch der neue rheinland-pfälzische Minister für Landwirtschaft und Weinbau, Dr. Volker Wissing, zu Eigen und unterstützte diese aktiv und öffentlich.

Dies zeigt, dass nach der Landtagswahl, und dem damit verbundenen Wechsel der Zuständigkeit, ein anderer Wind in der rheinland-pfälzischen Agrarpolitik weht. Auch wenn mittlerweile viele Dinge auf Bundes- und EU-Ebene entschieden werden, ist die Unterstützung des Berufsstandes auf Landesebene, unabhängig ob konventionell oder ökologisch wirtschaftend, unerlässlich und von großer Bedeutung.

Die bisherige gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem neuen Minister und seinem Haus werden wir in Ihrem Sinne fortsetzen und uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit Ihrer Betriebe im Vordergrund agrarpolitischer Entscheidungen steht. Es muss wieder eine ideologiefreie Abwägung zwischen Natur- und Umweltschutz, der effizienten Produktion von hochwertigen Lebensmitteln in der Region und den ökonomischen Belangen der Landwirte und Winzer erfolgen. Denn nur durch die Erwirtschaftung ausreichender Gewinne können Ihre Betreibe langfristig existieren und zukunftsweisende Investitionen tätigen.

Leider bleiben auch in diesem Jahr die Betriebsergebnisse deutlich hinter den notwendigen Zahlen zurück. Dass in manchen Bereichen ein leichter Anstieg der Gewinne zu verzeichnen ist, liegt hauptsächlich an dem sehr geringen Ausgangsniveau des Vorjahres und der konsequenten Verringerung der Produktionskosten durch die Betriebsleiter. Diese Stellschraube ist aber begrenzt. Zwar wurden, mit Unterstützung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., verschiedene Maßnahme zur finanziellen Entlastung und Sicherung der Liquidität auf EU-, Bundes- und Landesebene ergriffen, diese können aber nur sehr kurzfristig und eingeschränkt wirken. Auf lange Sicht sind höhere Erzeugerpreise Grundvoraussetzung für ein Wiederansteigen der Gewinne. Die Entwicklung an den globalen Agrarmärkten ist aber wenig vorhersehbar und nur eingeschränkt beeinflussbar, deshalb ist es umso wichtiger, dass die Betriebe in schwierigen Zeiten nicht auch noch durch die politischen Rahmenbedingungen belastet werden. Eine steigende Zahl an Vorgaben und Auflagen sowie die damit verbundene Ausweitung von Kontrollen und Bürokratie, bedeuten nicht nur einen immensen zeitlichen und finanziellen Aufwand für die Landwirte und Winzer, sonder schränkt auch ihre berufliche Entscheidungsfreiheit ein.

Mit der erneuten Diskussion um die Zulassung von Glyphosat, der neuen Düngegesetzgebung und Überlegungen zur Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU nach 2020 stehen im kommenden Jahr drei hochgradig brisante Themen auf der agrarpolitischen Agenda. Dabei ist die Gefahr groß, dass berechtigte Ansprüche und Einsprüche einzelner Regionen nicht berücksichtigt werden, weil die Produktionsbedingungen in anderen Ländern bzw. Staaten und deren Auswirkungen die Grundlage für die Ausgestaltung neuer Gesetze und Verordnungen sind. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. wird sich vor diesem Hintergrund für die Interessen der Landwirte und Winzer im südlichen Rheinland-Pfalz auf verschiedenen Ebenen einsetzen und auch die Unterstützung durch die Politik einfordern. Mit der Bundestagswahl steht ein weiteres, zukunftsweisendes Ereignis bevor. Bereits im Vorwahlkampf hat sich herauskristallisiert dass die Landwirtschaft, insbesondere die Tierhaltung, ein Thema sein wird, welches zu kontroversen Diskussionen führen wird. Hier dürfen und werden wir das Feld nicht den Populisten und Ideologen überlassen.

Das kommende Jahr wird uns also mit Sicherheit, unabhängig des Witterungsverlaufs und den Entwicklungen an den Agrarmärkten, wieder vor neue Herausforderungen stellen, die es zu meistern gilt. Die kommenden Tage sind deshalb eine gute Gelegenheit innezuhalten, zur Ruhe zu kommen und Kraft zu sammeln. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familie im Namen des gesamten Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. eine schöne Weihnachtszeit mit besinnlichen und erholsamen Feiertagen, einen guten Rutsch und alles Gute für das Jahr 2017.

Ihr

Eberhard Hartelt

Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.