Grußwort zum Jahreswechsel von Präsident Eberhard Hartelt

Präsident Eberhard HarteltLiebe Landwirte und Winzer, liebe Landfrauen, Landsenioren und Landjugendliche,

die Zeit am Ende des Jahres ist traditionell für Rückblicke reserviert. Man hält inne und schaut zurück auf die wichtigsten Ereignisse und das persönlich Erlebte, man ordnet ein und bewertet. Vielleicht nimmt man sich auch vor, das ein oder andere zu ändern oder auszuprobieren – die berühmten guten Vorsätze. Aber manchmal lassen uns bestimmte Dinge oder Vorkommnisse des abgelaufenen Jahres gar keine andere Wahl, als darauf zu reagieren. Vielleicht nicht immer kurzfristig, aber auf mittlere oder lange Sicht. Der Rückblick auf ein vergangenes Jahr ist daher immer der Auftakt für das neue Jahr und nicht der Abschluss des alten. Aus diesem Blickwinkel hat das Jahr 2017 sicherlich bedeutende Auswirkungen auf die zukünftige Arbeit des landwirtschaftlichen Berufsstandes.

Die Abfolge von außergewöhnlichen Wetterkapriolen während der Vegetationsperiode hat gezeigt, dass sich Landwirte und Winzer schon heute intensiv mit den möglichen Folgen des Klimawandels auseinandersetzen müssen. Nach dem wärmsten März seit Wetteraufzeichnungen kam es zu einem frühen Austrieb der Reben und auch die Obstbäume standen schon Mitte April in voller Blüte. Eine einzige Frostnacht mit außergewöhnlich tiefen Temperaturen führte zu teilweise massiven Ausfällen bei der Wein- und Obsternte. Es folgte eine Phase mit großer Trockenheit und Hitze, die sich negativ auf die Erträge beim Grünfutter und Getreide auswirkte. Ergiebige Niederschläge wiederum führten in den späten Lagen der Nord- und Westpfalz zu zahlreichen Ernteunterbrechungen. Die Weinlese – eine der kürzesten überhaupt – begann so früh wie noch nie. Bereits Ende August starteten die ersten Betriebe mit der Ernte, die nach nicht einmal vier Wochen Anfang Oktober abgeschlossen war. Diese Entwicklungen machen langfristige Lösungen im Bereich der Risikovorsorge und eine Ausweitung der Risikoabsicherung erforderlich. Hierzu zählen Kulturschutzeinrichtungen, flächendeckende Versicherungsmöglichkeiten, veränderte Anbausysteme und neue Schwerpunkte in der Züchtung.

Unerlässlich für die Betriebe sind auch die Direktzahlungen der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP). Vor diesem Hintergrund sind die Ende November veröffentlichten Vorstellungen des EU-Agrarkommissars Phil Hogan zur GAP nach 2020 ein gutes Signal. Neben der Beibehaltung der Direktzahlungen ist auch vorgesehen, mehr Verantwortung für die Ausgestaltung von Umwelt- und Klimamaßnahmen an die Mitgliedsstaaten zu geben, um so den unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen Rechnung zu tragen. Die von der EU-Kommission geplante stärkere Ausrichtung der GAP auf Umwelt- und Klimaziele ist eine große Herausforderung für den Berufsstand und darf nur mit einem angemessenen Ausgleich entsprechender Maßnahmen einhergehen. Ein gesteigertes Engagement in diesem Bereich bietet aber auch die Chance das Heft des Handelns im Hinblick auf gesellschaftliche Forderungen in der Hand zu behalten.

Die Debatten um Glyphosat, Nitratgehalte im Grundwasser und Artensterben haben uns in den vergangenen Jahren vor Augen geführt, welche Macht Kampagnen von Nichtregierungsorganisationen mit Unterstützung von Teilen der Politik haben können. Ich hoffe sehr, dass diese Themen endlich wieder fachlich fundiert bearbeitet werden. Das gilt auch im Hinblick auf die neue Düngeverordnung, die nach jahrelangen Verhandlungen im Sommer dieses Jahres in Kraft getreten ist. Zwar konnte durch den Einsatz des Berufsstandes die Aufnahme zahlreicher, weitergehender Forderungen von Natur- und Umweltschutz in den Verordnungstext verhindert werden, aber die Umsetzung der neuen Regelungen hat trotzdem erhebliche Auswirkungen auf die Düngepraxis und deren Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund ist die Landesregierung aufgefordert den Berufsstand mit den zahlreichen neuen Vorschriften nicht alleine zu lassen, denn die Betriebe leisten einen außerordentlich großen Beitrag, um die geforderten Ziele im Hinblick auf Ressourceneffizienz und Wasserqualität zu erreichen. Die Politik muss nun das gleiche Engagement bei der Umsetzung der Düngeverordnung zeigen – personell und finanziell. Die Landwirte und Winzer im Land erwarten diese Hilfe zu Recht, denn sie ist Voraussetzung für die Erreichung der politisch gewollten Ziele, der Ausschöpfung von Einsparpotentialen durch eine gesteigerte Düngeeffizienz und der Vermeidung von Sanktionsrisiken.

Auf nationaler Ebene ist die politische Weichenstellung für die nächsten vier Jahre bisher ausgeblieben. Die Koalitionsverhandlungen werden erst im kommenden Jahr abgeschlossen. Unabhängig vom Zuschnitt der einzelnen Ministerien und der Zuständigkeiten der an der Regierung beteiligten Parteien, ist auch die Bundestagswahl ein Ereignis des Jahres 2017, das erheblichen Einfluss auf die deutsche Agrarpolitik der kommenden Jahre haben wird.

Am Ende eines ereignisreichen Jahres möchte ich an dieser Stelle allen, die sich im Interesse der heimischen Landwirtschaft und des Weinbaus eingesetzt haben, sehr herzlich danken. Das große ehrenamtliche Engagement in unserem Verband ist die Basis für eine erfolgreiche Interessenvertretung.

Im Namen des gesamten Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und genügend Zeit für die Menschen, die Ihnen nahestehen. Gesundheit, Glück, Zufriedenheit und Erfolg sollen Sie auch im neuen Jahr begleiten.

Ihr

Eberhard Hartelt

Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.