Grußwort von BWV-Präsident Hartelt zum Erntedank

Liebe Mitglieder des Landwirtschaftlichen Berufsstandes, sehr geehrte Mitbürger,

am 7. Oktober 2018 feiert der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. im südpfälzischen Hochstadt sein diesjähriges Landeserntedankfest. Mittelpunkt der Veranstaltung ist ein ökumenischer ErntedankGottesdienst um 10:30 Uhr in der Evangelischen Kirche (Hauptstraße 66, 76879 Hochstadt). Hierzu möchte ich Sie an dieser Stelle recht herzlich einladen. Für jeden Landwirt und Winzer ist der Erntedank ein besonderes Ereignis, aber auch für die Menschen außerhalb der Landwirtschaft ist es eine gute Gelegenheit, sich der mühevollen und erfolgreichen Arbeit der Branche bewusst zu werden. Darüber hinaus bietet das Erntedankfest eine gute Gelegenheit auf das vergangene Jahr zurückzublicken.

Das Jahr 2018 wird uns sicherlich allen in Erinnerung bleiben: Ein langer Winter, Rekordtemperaturen im April und Mai mit einer explosionsartigen Entwicklung der Vegetation, gefolgt von einer langanhaltenden Phase ohne Niederschläge, die in vielen Regionen Deutschlands das Ausmaß einer Dürre annahm. Die Auswirkungen des Klimawandels haben sich nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in den Vorjahren verstärkt gezeigt. Heiße Phasen mit langanhaltender Trockenheit im Frühjahr und Sommer mehren sich. Niederschläge sind ungleichmäßiger verteilt, Starkregenereignisse nehmen zu und das Risiko von Unwetterschäden steigt. Diese Entwicklungen machen langfristige Lösungen im Bereich der Risikovorsorge und eine Ausweitung der Risikoabsicherung in den Betrieben erforderlich. Hierzu zählen Kulturschutzeinrichtungen, flächendeckende Versicherungsmöglichkeiten, veränderte Anbausysteme und neue Schwerpunkte in der Züchtung. Wir werden uns zukünftig noch stärker dafür einsetzen, dass die Betriebe die zunehmenden witterungsbedingten Herausforderungen erfolgreich meistern können.

Die Folgen der diesjährigen Trockenheit sind bundesweit gesehen dramatisch. In manchen Gebieten der Republik bewegen sich die Ertragsverluste zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen. Das Viehfutter wird fast überall knapp und viele Betriebe müssen sich Gedanken machen, wie sie ihre Tiere im Winter ausreichend versorgen können. Vor diesem Hintergrund legte die Bundesregierung in Person von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Programm auf, um existenzgefährdete Betriebe finanziell zu unterstützen. Dies war eine richtige Entscheidung, auch wenn die Dürrehilfen in Teilen der Öffentlichkeit sehr kritisch gesehen wird. Es gibt aber hierzu keine Alternative, so lange keine ausreichende Entlohnung der Arbeit des Berufsstandes über die Erzeugerpreise erfolgt. So lange ist es den Betrieben nämlich nicht möglich, in erforderlichem Maße für solche Krisenfälle vorzusorgen. Das Ziel muss daher sein, nicht nur die ideelle, sondern auch die monetäre Wertschätzung der Lebensmittel zu erhöhen. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die der Unterstützung der Politik, des Handels und jedes einzelnen Verbrauchers bedarf. Nur so kann auch die ökonomische Komponente der Nachhaltigkeit erfüllt und die Zukunft der landwirtschaftlichen Erzeugung in Deutschland gesichert werden.

Dass Rheinland-Pfalz als eines von zwei Bundesländern dem Hilfsprogramm des Bundes nicht beigetreten ist, war auch eine nachvollziehbare Entscheidung. Zwar gab es durch die sehr unterschiedliche Verteilung der wenigen Niederschläge in der Vegetationsperiode lokal schwankende Erträge, aber die Getreideernte fiel hierzulande insgesamt durchschnittlich aus. Auch die Qualitäten erfüllten flächendeckend, bis auf wenige Ausnahmen, die Anforderungen. Im Obst- und Gemüsebereich gab es glücklicherweise keine großen Ausfälle. Bei den Sonderkulturen war es vordergründig die Marktsituation, die den Erzeugern Probleme bereitete. Sie mussten erneut mit Importware konkurrieren, obwohl ausreichend einheimisches Obst und Gemüse vorhanden war. Beim diesjährigen Weinjahrgang werden wir nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ deutlich über dem Durchschnitt liegen. Ertragseinbußen gibt es allerdings im Futterbau, bei Kartoffeln und Zuckerrüben. Trotzdem sollten wir mit Blick auf den Witterungsverlauf zufrieden und dankbar sein und voller Demut auf das Jahr 2018 blicken, das uns die Grenzen unseres Einflusses einmal mehr deutlich vor Augen geführt hat.

Das ist auch der Kerngedanke des bevorstehenden Erntedankfestes. Gemeinsam wollen wir für die Schöpfung danken und zeigen, dass wir uns der Abhängigkeit von der Natur bewusst sind. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. und ich persönlich freuen uns daher sehr, Sie in Hochstadt begrüßen zu dürfen, um für die diesjährige Ernte zu danken und um Gottes Segen für das kommende Jahr zu bitten.

Das Landeserntedankfest findet unter Mitwirkung der Evangelischen Kirche der Pfalz, des Bistums Speyer, des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., der Landjugend RheinhessenPfalz, des LandFrauenverbandes Pfalz e.V., dem Tanz- und Sportclub Hochstadt sowie der Gemeinde Hochstadt statt. Für die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes sorgt u.a. der Gemischte Chor Hochstadt. Im Anschluss an den Gottesdienst wird das Fest rund um das Rathaus fortgesetzt. Verschiedene Marktstände werden Handwerk und Spezialitäten aus der Region zeigen, es gibt die Möglichkeit zum Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen.

Ich freue mich auf Ihr Kommen!
Ihr

Eberhard Hartelt
Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.