Ein denkwürdiges Jahr Grußwort zum Jahreswechsel von BWV-Präsident Eberhard Hartelt

Liebe Landwirte und Winzer, liebe Landfrauen, Landsenioren und Landjugendliche,

„Erst am Ende eines Jahres weiß man, wie sein Anfang war.“ Dieser Satz von Friedrich Nietzsche fasst das zurückliegende Jahr sehr treffend zusammen. Niemand hat sich vor zwölf Monaten vorstellen können, welche Veränderungen auf uns alle zukommen. Die Corona-Pandemie hat sich massiv auf das öffentliche Leben, die Arbeitswelt und den privaten Bereich ausgewirkt. Jeder von uns war mit individuellen Herausforderungen und Einschränkungen konfrontiert, die er so noch nicht erlebt hat. Die Landwirtschaft und der Weinbau waren von den notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ebenfalls betroffen, wenn auch in sehr unterschiedlichem Maße. Das Resümee unserer Mitglieder wird dadurch sehr heterogen ausfallen.

Die fehlende Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften durch Reisebeschränkungen, die Absage von Festen und Veranstaltungen, die Schließung von Gastronomie, Hofläden und Übernachtungsbetrieben sowie die Umsetzung von Hygieneauflagen machte vielen Betrieben teilweise erheblich zu schaffen. Umsatzeinbußen – bei oftmals steigenden Kosten – waren die Folge. Die Betriebsergebnisse werden daher größtenteils sehr ernüchternd sein. Glücklicherweise gab es aber Produktionsbereiche, die nur wenig von den Auflagen eingeschränkt wurden.

Die turbulenten Zeiten während der Pandemie haben gezeigt, wie wichtig die Arbeit der Verbände ist, nicht nur in unserem Bereich. An vielen Beispielen wurde deutlich, dass es nicht immer die am schnellsten verfügbaren Informationen oder die am lautesten vorgetragenen Nachrichten sind, denen man Glauben schenken sollte. Verbände verifizieren, ordnen ein, übersetzen Rechtstexte für die praktische Anwendung und können Forderungen gebündelt an die Politik geben. So konnte unter großen Kraftanstrengungen die Arbeitsfähigkeit der Betriebe während der Pandemie erhalten werden, es wurde gesät und geerntet. Wir wurden unserer Verantwortung gerecht. Voraussetzung hierfür war das außergewöhnliche persönliche Engagement vieler Einzelner und der enge Austausch zwischen Betrieben, Verband und Politik. Auf den Erfolg gemeinsamen Handelns sollten wir uns immer wieder, nicht nur in Krisenzeiten, zurückbesinnen.

Auch unabhängig von Corona war es aus landwirtschaftlicher Sicht nicht einfach. Der Nachweis der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zog die befürchteten Konsequenzen für den gesamten Schweinemarkt nach sich, dessen Erholung noch lange nicht in Sicht ist. Im dritten Jahr in Folge führten die langanhaltende Trockenheit und die ungleichmäßige Verteilung der wenigen Niederschläge zu sehr unterschiedlichen Ernteergebnissen. Dort, wo es zum richtigen Zeitpunkt geregnet hatte, kamen die Betriebe noch mit einem blauen Auge davon, in anderen Regionen mussten in verschiedenen Kulturen Ertragseinbußen hingenommen werden. Der Klimawandel macht sich in den vergangenen Jahren verstärkt bemerkbar. Die Bekämpfung von in unseren Breiten neu auftretenden Schädlingen und Krankheiten sowie die Verfügbarkeit von Wasser sind zwei der großen Herausforderungen, denen wir uns mit Blick auf Anbausysteme und Produktionstechnik stellen müssen.

Im Gegensatz dazu gab es im abgelaufenen Jahr politische Entscheidungen und Weichenstellungen, welche die Arbeit der Landwirte und Winzer zukünftig noch stärker einschränken werden. Unsere zwischenzeitliche Hoffnung, dass sich die Systemrelevanz unserer Branche – der sich viele Menschen leider erst durch eine globale Pandemie bewusst geworden sind – positiv auf die Rahmenbedingungen der Lebensmittelproduktion auswirken könnte, währte nur kurz. Das vordergründige Ziel unserer täglichen Arbeit, die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, bleibt in großen Teilen von Politik und Gesellschaft leider weiterhin außerhalb des Fokus. Das Insektenschutzgesetz, die vorschnelle Verschärfung der Düngeverordnung und der Green Deal stehen dabei nur beispielhaft für eine Gesetzgebung, die der Bedeutung der Landwirtschaft nicht gerecht wird.

Vor diesem Hintergrund nimmt die Kritik an den Bauernverbänden zu, sie würden solche Vorhaben nicht verhindern und sich zu wenig für die Zukunft ihrer Mitglieder einsetzen. An dieser Stelle möchte ich daher um mehr Vertrauen für die politische Arbeit der Verbände werben. Oftmals findet unser Einsatz nicht auf der großen Bühne statt. Vertrauliche Kontakte mit politisch Verantwortlichen, um Betroffenheiten zu vermitteln oder Kompromisse auszuloten, dürfen nicht als mangelnde Transparenz aufgefasst werden. Darüber hinaus wird in vielen Fällen nur das Ergebnis eines politischen Prozesses öffentlich, die Ausgangssituation und das mit langem Atem Erreichte bleibt ungesehen. Interessenvertretung kann nicht immer auf individuelle Bedürfnisse eingehen und sie wird geschwächt, wenn wir uns auseinanderdividieren lassen. Die Solidarität untereinander und das Zusammenstehen des Berufsstandes, um die großen gemeinsamen Ziele zu erreichen, war in der Vergangenheit unser größtes Pfund. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen sollten wir zu dieser Stärke wieder zurückfinden.

An dieser Stelle möchte ich mich daher bei allen bedanken, die sich in diesem außergewöhnlichen Jahr in vielfältiger Art und Weise für ihre Berufskollegen eingesetzt haben, ob bei uns im Verband oder in anderen Organisationen und Institutionen des Berufsstandes. Ehrenamtliches Engagement ist keinesfalls selbstverständlich und verdient unsere Anerkennung.

Dass es dabei immer wieder unterschiedliche Ansichten bei bestimmten Themen und Sachverhalten gibt, ist nicht nur selbstverständlich, sondern ist die Grundlage für konstruktive Diskussionen und letztendlich die Basis unseres Demokratieverständnisses. Aber auch den hauptamtlichen Mitarbeitern möchte ich für die geleistete Arbeit im Sinne der Landwirtschaft und des Weinbaus in Rheinhessen und der Pfalz meinen Dank aussprechen.

Im Namen des gesamten Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. wünsche ich Ihnen und Ihren Familien, trotz der besonderen Umstände, ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest. Gesundheit, Glück, Zufriedenheit und Erfolg sollen Sie im neuen Jahr begleiten.

Ihr

Eberhard Hartelt

Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.