„Die Landwirtschaft wurde ihrer Verantwortung gerecht!“ BWV-Präsident Eberhard Hartelt zum Erntedank

Liebe Mitglieder des Landwirtschaftlichen Berufsstandes, sehr geehrte Mitbürger,

gerne hätte ich Sie an dieser Stelle zum traditionellen Landeserntedankfest des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV) eingeladen. Leider mussten wir unseren ökumenischen Gottesdienst, der im Rahmen des Bauernmarktes im westpfälzischen Ramstein geplant war, aufgrund des aktuellen Pandemiegeschehens absagen. Wir hoffen trotzdem, dass der Erntedank gerade in dieser Zeit bewusster wahrgenommen wird, als in der Vergangenheit.

In diesem Jahr rückte nach langer Zeit die Versorgungssicherheit der Bevölkerung zumindest zeitweise wieder in den Fokus von Politik und Gesellschaft. Vielen Menschen wurde die Bedeutung der täglichen Arbeit in den landwirtschaftlichen Betrieben bewusster und die Früchte dieser Arbeit wurden mehr wertgeschätzt. Dies ist auch der Grundgedanke des Erntedankes. Kurzfristig hatten wir daher die Hoffnung, dass dieses Bewusstsein nachhaltig in den Köpfen verankert bleibt. Wobei es schon bedenklich ist, dass es erst eine Pandemie globalen Ausmaßes braucht, damit mancher Bürger erkennt, dass die Agrarbranche systemrelevant ist. Aus heutiger Sicht muss man aber sagen, dass die Rückbesinnung auf die wirklich notwendigen Dinge des Lebens nur von kurzer Dauer war.

Mit hohem Aufwand – finanziell und organisatorisch – und unter großem persönlichen Einsatz, haben die Betriebe alles dafür getan, um die Produktion und Lieferketten sicherzustellen. Die Landwirtschaft wurde ihrer Verantwortung gerecht! Dies hat nicht nur massive Anstrengungen bedeutet, sondern teilweise zu erheblichen Mehrkosten geführt, die über den Markt nur in den wenigsten Fällen ausgeglichen wurden. Auch für unseren Verband war es eine intensive Zeit, in der wir für unsere Mitglieder in vielen Bereichen, nicht nur bei Thema Saisonarbeitskräfte, wertvolle Unterstützung leisten konnten und dazu beigetragen haben, die Produktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Aber nicht nur die Auswirkungen der Corona-Pandemie brachten großen Herausforderungen mit sich. Im dritten Jahr in Folge führten die langanhaltende Trockenheit und die sehr ungleichmäßige Verteilung der wenigen Niederschläge zu sehr unterschiedlichen Ernteergebnissen. Dort, wo es zum richtigen Zeitpunkt geregnet hat, kamen die Betriebe noch mit einem blauen Auge davon, in anderen Regionen mussten in verschiedenen Kulturen Ertragseinbußen hingenommen werden.

Dass Landwirte und Winzer abhängig sind von Bedingungen, die nicht zu beeinflussen sind, ist ein alljährliches Schicksal, mit dem die Betriebe seit Generationen erfolgreich umgehen können. Was aber durch Fachwissen, Intuition und Landwirtschaft nicht ausgeglichen werden kann, sind politische Rahmenbedingungen, welche die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland immer stärker unter Druck setzen und jungen Menschen die Motivation nimmt, die Höfe weiterzuführen. Ich hoffe daher inständig, dass doch noch Lehren aus der Corona-Pandemie mit Blick auf den Erhalt des Agrarstandortes Deutschland und die damit verbundene Versorgungssicherheit gezogen werden.

Das Jahr 2020 hat gezeigt, wie wichtig die heimische Erzeugung von Lebensmitteln ist, wie wichtig die Arbeit des landwirtschaftlichen Berufsstandes ist. Und so wollen wir auch dieses Jahr, trotz aller Umstände, dankbar dessen gedenken, was gewachsen ist und dessen was wir auch an Schönem erlebt haben. Lassen Sie uns gemeinsam auf ein gutes kommende Erntejahr hoffen, in dem wir wieder in gewohnter Form das Erntedankfest feiern können.

Ihr

Eberhard Hartelt

Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.